Die Erfahrung Wald (die Rehaklinik)

Schon lange ist es her, seit ich hier was geschrieben habe; dies aus zwei Gründen. Einerseits fehlten mir die Energie und Motivation, andererseits die Themen für einen Blogpost. Was ich jetzt aber in der Klinik Wald selber erleben darf – und leider erleben muss -, ist die Macht, die der Fluch „Savings“ auf den Alltag im Klinikleben haben kann und hat.

Das Klinikleben soll Profit abwerfen! Uns entsprechend soll das Personal arbeiten; arbeiten, wie im Buche steht. Und genau da scheiden sich die Geister. Denn: was genau steht im Buche – und in welchem? Seit ein paar Tagen nämlich treiben dem neutralen Beobachter ganz neue Gestalten (zu der jeweiligen Abteilung arbeitsintensivsten Zeit) in den alten Gemäuern der Klinik rum. Getarnt sind diese Gestalten Poloshirts, die auf der Brust das Logo der Klinik tragen. Untenrum lässt die Tarnung ein bisschen mehr zu erhoffen, aber weit gefehlt. Denn eine simple Jeans lässt den Infiltrant das wachsamen Auge nicht täuschen und es merkt schnell, dass hier eine externe Firma das Personal auf Schritt und Tritt verfolgt, überwacht und jede Tätigkeit genauestens protokolliert mit einem einzigen Ziel: wie mache ich den Shareholder noch glücklicher.

Was dabei verloren geht, ist der menschliche Aspekt der Klinikarbeit. Es sind zum Beispiel die kleinen (und von den Patienten geschätzten) Smalltalkgespräche des Personals, seien es Pflegefachkräfte, Cafeteriamitarbeiter, Therapeuten oder Reinigungspersonal. Diese Menschen machen das Klinikleben human, erträglich. Denn freiwillig ist schliesslich niemand hier. Kein Patient erhofft sich ein Bett, geschweige denn das tägliche Mahl in der Klinik. Da sind die kleinen Witze, der menschliche Austausch oder das lauschende Ohr des Personals Gold wert. Der Shareholder ist dem Patienten ehrlich gesagt egal, was wohl auf Gegenseitigkeit beruht. Denn warum sollen (oder wollen) sie ein solches Urteil in Gedanken sprechen und im Alltag durch eine Beraterfirma fällen?

Gewisse Bereiche hat die Beraterstoppuhr (ja, diese fragwürdigen Externen sind zeit- und nicht qualitätorientiert). So wurde bereits eine Putzfachkraft wegrationalisiert. Deren Arbeit ganz einfach einer anderen aufgebrummt. Ob diese das will oder dafür entschädigt sein wird, stand natürlich nicht im Fokus. Und das werden in den nächsten Tagen und Wochen noch weitere Abteilungen erleben müssen.

Mein Fazit mal kurz zusammengefasst: Arbeitsmarkt, du hast bald so einige Fachkräfte zu vermitteln. Ich empfehle dir, stell sie ein, zu einem fairen Lohn und lass sie nicht abwandern!!